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Was die Molkereigeschäftsführer über den Milchmarkt sagen

Die Molkerei-Geschäftsführer über die aktuelle Marktlage, die Marktaussichten, die Verhandlungen mit dem Lebensmittelhandel und ihr Urteil über das EU-Milchpaket. Die Gespräche führte Rosemarie Wilhelm.
Josef Pitzer  Geschäftsführer der Landgenossenschaft Ennstal © Rosemarie Wilhelm
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Josef Pitzer, Geschäftsführer der Landgenossenschaft Ennstal © Rosemarie Wilhelm
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Josef Pitzer, Geschäftsführer der Landgenossenschaft Ennstal © Rosemarie Wilhelm
Josef Pitzer  Geschäftsführer der Landgenossenschaft Ennstal © Rosemarie Wilhelm
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Josef Pitzer

Geschäftsfüher der Landgenossenschaft Ennstal
Friedrich Tiroch  Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei (OM) © OM
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Friedrich Tiroch, Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei (OM) © OM
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Friedrich Tiroch, Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei (OM) © OM
Friedrich Tiroch  Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei (OM) © OM
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Friedrich Tiroch

Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei (OM)
Josef Braunshofer  Geschäftsführer der Berglandmilch © Berglandmilch
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Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch © Berglandmilch
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Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch © Berglandmilch
Josef Braunshofer  Geschäftsführer der Berglandmilch © Berglandmilch
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Josef Braunshofer

Geschäftsführer der Berglandmilch
Leopold Gruber-Doberer  Geschäftsfüherer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) © MGN
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Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsfüherer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) © MGN
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Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsfüherer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) © MGN
Leopold Gruber-Doberer  Geschäftsfüherer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) © MGN
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Leopold Gruber-Doberer

Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN)

1. Wie schauen der Aussichten auf dem Milchmarkt bis Ende 2011 aus?

Pitzer: Aus heutiger Sicht erwarte ich eher stabile Marktverhältnisse, wenn die Exporte in den Osten weiterlaufen und die dortige Produktion nicht unerwartet steigt.

Tiroch: 2011 hatten wir einen guten Start mit deutlich höheren Preisen als 2010. Trotz Mehranlieferung (6%) erhöhten wir im Mai leicht. Ziel ist die Absicherung des Preisniveaus.

Braunshofer: Derzeit sehe ich konstante Preise. Aber: Prognosen über die Jahresmitte hinaus sind Spekulation. Der jetzige Erzeugerpreis ist ein Vorgriff, der erst hereinzuspielen ist.

Gruber-Doberer: Momentan sehen wir einen stabilen Markt mit möglicherweise leichter Tendenz nach oben, wenn die Preise im Handel steigen.

2. Gab es bei den Verhandlungen mit dem Lebensmittelhandel Bewegung?

Pitzer: Die Erzeugermilchpreiserhöhungen konnten wir nicht gänzlich beim Handel umsetzen. Wir haben in allen Bereichen kleine Erhöhungen bekommen und verhandeln weiter.

Tiroch: Um den derzeitigen Milchpreis zu erhalten, ist es notwendig bei vernünftigen Gesprächen mit dem Handel noch "Ergebnisse" zu erzielen.

Braunshofer: Die Gespräche laufen weiter. Es gibt noch Produktgruppen, die preislich noch nicht dort sind, damit der aktuelle Rohstoffpreis, den wir zahlen, berücksichtigt wird.

Gruber-Doberer: Die NÖM führt laufend Gespräche mit dem Handel. Die Erzeugerpreise sind zu niedrig. Die NÖM zahlt im Jahresschnitt um einen 1/2 Cent mehr als die Berglandmilch.

3. Was unternehmen Sie, um die Wettbewerbsfähigkeit der Molkerei zu steigern?

Pitzer: Rationalisieren und spezialisieren, um Nischenprodukte zu erzeugen. Mit der Cartocan-Anlage sind wir der EU-weit einzige Anbieter von länger haltbaren Milchmischgetränken in einer Kartondose.

Tiroch: Kosten sparen und zusammen arbeiten. Wir haben mit mehreren Molkereien gemeinsame Produktionen. So lasten wir die Maschinen bis zum Drei-Schicht-Betrieb aus, um Kosten zu senken.

Braunshofer: Erfolgreiche Innovationen platzieren und ein straffes Kostenmanagement. Mit den neuen Partnern Landfrisch Wels, Tirol Milch und hoffentlich auch mit Stainz können wir kostengünstiger wirtschaften.

Gruber-Doberer: Innovative Produkte auf den Markt bringen und ein extrem konsequentes Kostenmanagement betreiben. Und: Wir kooperieren engstens mit verschiedenen österreichischen Molkereien.

4. Denken Sie an spezielle Kooperationen mit anderen Molkereien?

Pitzer: Unsere bisher enge Zusammenarbeit mit der Berglandmilch werden wir weiter vertiefen. Die Ennstalmilch ist grundsätzlich für Kooperationen auch mit anderen Molkereien offen.

Tiroch: Wir arbeiten mit der NÖM in Kapfenberg sehr eng zusammen und was daraus entstehen kann, weiß man nicht.

Braunshofer: Für die Übernahme der Stainzermilch fehlt noch die Zustimmung der Kartellbehörde. Wir erwarten uns Synergien im Verwaltungsbereich, der Logistik und der Produktentwicklung.

Gruber-Doberer: Die Kooperationen mit einzelnen österreichischen Molkereien werden wir aufrecht halten, auch jene mit der OM. Die OM macht auch Produkte für die NÖM in Kapfenberg. Das ist ja nichts Neues.

5. Wie stellen Sie sich eine Lieferbeziehung zwischen Bauern und Molkerei nach Auslaufen der Quote im Jahr 2015 vor?

Pitzer: Wichtig sind Lieferverträge zwischen Bauern und Verarbeitern. Wir werden unsere Lieferverträge um die Mengenkomponente erweitern, was Bauern und Molkerei Sicherheit gibt.

Tiroch: So einfach wie möglich und so klar wie möglich - für die Bauern und für die Molkerei.

Braunshofer: Am Wichtigsten sind aufrechte Lieferverträge. Als Berglandmilch wollen wir deutlich mehr erwirtschaften als der Marktdurchschnitt oder deutlich mehr als wenn nur mit Versandmilch gehandelt wird.

Gruber-Doberer: Für die Bauern wird die Mitgliedschaft bei einer Molkerei und ein gültiger Liefervertrag wichtig sein.

6. Wie könnte aus Ihrer Sicht die Basis einer künftigen Mengensteuerung sein: die Geschäftsanteile oder die durchschnittliche Lieferung der vergangenen Jahre?

Pitzer: Die Mengenkomponente wird aus unserer Sicht vorwiegend aufgrund der gezeichneten Anteile, die bei uns ja sehr hoch sind, zu vergeben sein. Das ist die gerechteste Form einer künftigen Mengenregelung.

Tiroch: Eine exakte Mengensteuerung wird es wahrscheinlich bei der Milch nie geben. Es ist jetzt noch zu früh über ein Mengensteuerungsmodell zu reden. Es ist Aufgabe des Vorstandes und der Funktionäre das zu entscheiden.

Braunshofer: Es ist zu früh ein fixes Modell zu präsentieren, weil dieses von den angelieferten Milchmengen und den Absatzmöglichkeiten abhängt. Daher investieren wir als Molkerei in Kapazitätsausweitungen und in die Veredelung.

Gruber-Doberer: Das eine ergibt das andere. Die Geschäftsanteile errechnen sich immer von der Anlieferung. Entweder ich schaffe irgendwo ein Lieferrecht abgeleitet von den Geschäftsanteilen oder wir bringen österreichweit eh nix zusammen.

7. Welche Strategien verfolgen Sie, um nach Auslaufen der Quote den Bauern einen attraktiven Milchpreis zu zahlen?

Pitzer: Wir werden die Spezialisierung weiter vorantreiben, um als kleine Molkerei in Europa die Chancen gut zu nutzen. Und: Um den Mitgliedern eine sichere Abnahme zu guten Preisen zu garantieren.

Tiroch: Wir brauchen einen kostengünstigen Betrieb und einen Markt, den wir jetzt schon haben und wir auch in Zukunft haben werden.

Braunshofer: Konsequent an innovativen Produkten arbeiten, Markenprodukte heben, bei den Werken die Kosten auf gutem europäischen Niveau im Griff haben, um einen vernünftigen Milchpreis zahlen zu können.

Gruber-Doberer: Wir müssen am Markt innovativ sein, die Kosten im Griff haben und dann werden wir einen wettbewerbsfähigen Milchpreis zahlen können. Niemand kann sich vom Markt abkoppeln.

8. Wie beurteilen sie die EU-Milchpaket-Vorschläge zu den Themen Erzeugerorganisation und Branchenverbände?

Pitzer: Die Erzeugergemeinschaft ist bereits die bestehende Genossenschaft. In der Branchenorganisation können wichtige Fragen zur Qualität, Hygiene und Werbung besprochen werden.

Tiroch: Die Genossenschaft ist die Erzeugergemeinschaft, die sogar eine Molkerei hat. Die Branchenorganisation darf nicht über Preis und Menge reden! Schon jetzt tun wir alles für den besten Milchpreis.

Braunshofer: In Österreich sind die Erzeugergemeinschaften die Veredler und Vermarkter. Da müssen sich andere Länder den Kopf zerbrechen. Und eine Branchenorganisation ist wegen des Kartellgesetzes zahnlos.

Gruber-Doberer: Das sind Errungenschaften, die wir in Österreich mit den Genossenschaften und ihren Verwertungsbetrieben sowie dem VÖM (Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter) längst haben.
Links zum Thema
  • Kosten der Milchbauern steigen stark
01.06.2011
Autor:Rosemarie Wilhelm
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