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Wald ist kein Klima-Sünder

Hauptartikel

Treibhausgas Kohlendioxid: Speicher und Sünder

Nutzung senkt CO2-Emissionen

Künstliche Debatte um "Klimasünder" Wald

Massiver Zündstoff: EU will durch absurde Klimapolitik das Klimaopfer Wald als CO2-Emittenten brandmarken. Inakzeptable Folgen: Überwachung der Waldbewirtschaftung, Einschränkung der Nutzung.
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Der Klimawandel muss gebremst werden. Gelingt das nicht, ist mit fatalen Folgen zu rechnen. Die Weltklimakonferenzen (Genf 1979, Rio de Janeiro 1992, Kyoto 1997) haben bisher keine großen Fortschritte gebracht, obwohl beispielsweise mehr als 140 Länder, darunter Österreich, rechtsverbindlich das Kyoto-Protokoll zur Reduktion der Treibhausgase unterschrieben haben. Säumig sind die Bereiche Industrie, Verkehr sowie Energie. Nur so ist erklärbar, dass man neue Anrechnungsvorschriften für die Emission und den Abbau von Treibhausgasen in der Land- und Waldnutzung schaffen will.

Der Zündstoff

Bei der UNO-Klimakonferenz in Durban 2011 wurde vereinbart, dass für jene Länder, die das Kyoto-Protokoll fortführen, die forstwirtschaftliche Landnutzung in die CO2-Reduktionsverpflichtungen einzubeziehen ist. Dies hat die EUKommission im März 2012 bereits veröffentlicht. Unter der Zauberformel Lulucf (land use, land use change and forestry) verbirgt sich, dass jede Holzentnahme grundsätzlich als Emission zu werten ist und nur durch Zuwachs neutralisiert werden kann. Für jene Regionen der Erde, in denen durch Raubbau am Wald, durch Brandrodungen oder die Vernichtung von Regenwäldern enorme Mengen an CO2 freigesetzt werden (15 Prozent der Treibhausgase), kann diese Maßnahme zu einem wichtigen „Lenkungsinstrument“ werden. Für Länder wie Österreich – mit großen Holzvorräten und einer nachhaltigen Waldwirtschaft – birgt dieser Ansatz massiven Zündstoff in sich.

Überwachung!

Wald und Waldboden gehören zu den größten CO2-Speichern an der Erdoberfläche. Dass Holzprodukte ebenfalls einen positiven CO2-Speichereffekt aufweisen, der angerechnet werden kann, wurde im Durban-Beschluss nach zähem Ringen akzeptiert. Dass allerdings mit der Umsetzung einer Landnutzungsänderung Waldbewirtschaftungsmethoden verpflichtend einzubeziehen sind, ist fatal. Denn damit sind gravierende Einschränkungen der Eigentumsrechte verbunden. Über Aktionspläne, die nicht im österreichischen Forstgesetz enthalten sind, sollen vorerst Spielregeln festgeschrieben werden, um sie später verpflichtend ins nationale Recht aufnehmen zu müssen.

Polarisierung

Konkret werden im Rahmen der Landnutzungsänderung für die Waldbewirtschaftung zwei Ansätze verfolgt. Erstens soll die Erhaltung und Vergrößerung der Kohlenstoffvorräte in existierenden Wäldern erreicht werden. Und zweitens soll eine Verbesserung der Produktion in existierenden Wäldern unter Voraussetzung des Erhalts der biologischen Vielfalt, der Bodenfruchtbarkeit und der organischen Bodensubstanz umgesetzt werden. Durch diese Polarisierung zwischen Außer-Nutzung-Stellen von Wald und genau geregelter Holznutzung wird von der EU der bewährte Weg der Multi­funktionalität unserer Wälder verlassen. Das widerspricht vollkommen unserer Bewirtschaftungsform, bei der alle Waldfunktionen auf ein und derselben Waldfläche Berücksichtigung finden. Die Durchforstung von Waldbeständen dient dazu, die Standfestigkeit der Bäume zu verbessern und die Vitalität zu erhöhen.

Gegen Durchforstung

Da nach einer Durchforstung mehr Licht auf den Waldboden kommt, wird der Abbauprozess von Streu und Rohhumus beschleunigt. Notwendige verstärkte Durchforstungsmaßnahmen können sich damit wegen einer verstärkten CO2-Freisetzung negativ auf den Kohlenstoffspeicher auswirken. Jede Bestandesauflichtung zur Naturverjüngung oder flächige Nutzungen wie Kahlschläge werden damit zur CO2- Emission!

Viele Widersprüche

Laut der Bestimmungen von Lulucf muss stehendes Totholz als Emission gewertet werden, weil es noch gefällt und verwertet werden kann. Aus dem Blick der Biodiversität ist es zu fördern, weil darin wichtige Tierarten vorkommen. Der Effekt von Energieholz, das CO2 aus dem fossilen Kreislauf ersetzt, wird nicht akzeptiert. Damit werden auch alle nationalen Aktionspläne, die für den verstärkten Einsatz von erneuerbarer Energie geschmiedet wurden, ad absurdum geführt. Aus Sicht der Biodiversität soll der Anteil von Nadelholzbeständen reduziert und mehr Laubholzbestände forciert werden. Fichtenbestände haben durch eine größere Humusauflage im Oberboden aber wesentlich größere Kohlenstoffspeicher als Laubwälder mit einer wesentlich rascher zersetzenden Laubstreu. Zur kurzfristigen Kohlenstoffmaximierung wird damit naturnaher Waldbau kontraproduktiv. Die Tatsache, dass die ungebremste Verschwendung von Fossilenergie unsere Erdatmosphäre aus der Balance wirft, wird aber immer stärker ausgeblendet. Durch das Bestreben einer Landnutzungsänderung werden nicht mehr die Emittenten als Problem thematisiert, sondern die Kohlendioxid- Speicherfähigkeit der land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Durch eine nicht nachvollziehbare, absurde Klimapolitik soll nun das Klimaopfer Wald zum Klimatäter stigmatisiert werden. Das ist inakzeptabel.

Wichtige Begriffe

  • CO2. Chemische Formel für Kohlendioxid, eine Verbindung aus Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O).Kohlendioxid ist ein saures, unbrennbares, farb- und geruchloses Gas, das sich gut in Wasser löst. Es ist ein natürlicher Bestandteil der Luft, aber auch ein wichtiges Treibhausgas.
  • CO2-Bilanz. Maß zur langfristigen Betrachtung der Menge des Treibhausgases Kohlendioxid.
  • CO2-neutral. Anderes Wort für klimaneutral. Bezeichnet Prozesse, bei denen das atmosphärische Gleichgewicht nicht verändert wird und bei denen es zu keinem Netto-Ausstoß von Treibhausgasen kommt.
  • Emission. Ausstoß oder Austrag von Störfaktoren in die Umwelt.
  • Graue Energie. Jene Energie, die für Herstellung, Lagerung, den Transport, Einbau und Entsorgung von Materialien sowie Bauteilen und Gebäuden aufgewendet werden muss.
  • Kohlenstoffsenke. Die CO2-Senke ist ein Reservoir, das zeitweilig oder dauerhaft Kohlenstoff aufnimmt und dynamisch speichert. Kohlenstoffsenken sind bedeutsam, weil sie das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und damit der Erderwärmung entgegen wirken.
  • LULUCF. Abkürzung für „land use, land use change and forestry“. Dabei geht es um Nutzungsänderungen in der Waldbewirtschaftung.
  • Ökobilanz. Systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten während des gesamten Lebensweges von der Produktion, über die Nutzungsphase bis zur Entsorgung.
  • Treibhauseffekt. Durch den überproportionalen Ausstoß von Klimagasen (CO2, Methan...) erwärmt sich die Erde, das Klima verändert sich.
25.04.2012
Autor:Stefan Zwettler
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