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Kalken im Sommer

Kalk reguliert den pH-Wert des Bodens, verbessert die Verfügbarkeit von Nährstoffen, verhindert manche Pflanzenkrankheiten und stabilisiert die Bodenkrume.
Kalk schützt vor Bodenversauerung © Johannes Recheis-Kienesberger
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Kalk schützt vor Bodenversauerung © Johannes Recheis-Kienesberger
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Kalk schützt vor Bodenversauerung © Johannes Recheis-Kienesberger
Kalk schützt vor Bodenversauerung © Johannes Recheis-Kienesberger
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Hafer, Kartoffel, Roggen und Gräser gedeihen gut auf schwach sauren Böden, wie sie von Natur aus im Mühlviertel und im Sauwaldgebiet zu finden sind. Gerste, Leguminosen, Raps und Zuckerrüben vertragen das nicht - hier ist es wichtig, den Boden durch Kalk zu neutralisieren.

Zum Aufbau einer guten und stabilen Bodenstruktur ist der Kalk noch viel wichtiger als für die Pflanzen. Ohne Kalk können sich keine Ton-Humuskomplexe bilden und es kommt leicht zu Verschlämmungen und Erosion. Mineraldünger, Gülle und Auswaschung verbrauchen in unserem Klima pro Hektar und Jahr circa 150 - 300 kg Kalk. Das muss ersetzt werden, sonst kommt es zu teilweise massiver Bodenverschlechterung.

Welcher pH-Wert

Je nach Boden- und Nutzungsart sollte der pH-Wert bei leichten Böden um 5,5, bei mittelschweren um 6 und bei schweren Böden um 6,5 liegen, im Grünland liegen die Richtwerte um 0,5 niedriger. Auskunft über den pH-Wert des Bodens gibt eine Bodenuntersuchung oder ein einfacher Schnelltest aus dem Gartenmarkt oder Lagerhaus, wie zB der "pH-Bodentest" der Firma Neudorff.
 
Bei pH-Werten unter 5,0 nimmt die Verfügbarkeit der Hauptnährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Schwefel und Calcium deutlich ab. Hingegen sind die Spurennährstoffe Eisen, Mangan und Zink im sauren Bereich besser verfügbar. Allerdings gehen unter pH 5 Aluminium und schädliche Schwermetalle in Lösung und wirken pflanzenschädigend. Dies kann im Extremfall sogar zum Absterben der Pflanzen führen.

Anwendungshinweise

  • Eine Erhaltungskalkung muss nicht jährlich erfolgen, sondern sollte im Rahmen der Fruchtfolge alle 3 – 4 Jahre durchgeführt werden. Circa 1.000 – 1.500 kg CaO, wobei Betriebe mit sauer wirkenden Düngern und Gülle, im speziellen Biogasgülle, diese Empfehlungen sehr ernst nehmen sollten, Betriebe mit Mist und Kompost eher sparsamer mit Kalk umgehen können.
  • Die Kalkung kann auf Acker- und Grünland ganzjährig durchgeführt werden, sofern der Boden gut befahrbar ist.
  • Bevorzugt sollte vor dem Anbau kalkliebender Feldfrüchte (z. B. Klee, Raps oder Zucker-rübe) gekalkt werden. Mais ist ebenfalls kalkliebend, kann aber unmittelbar nach einer Kalkung Zinkmangel zeigen, weil Zink bei hohem pH-Wert schlechter verfügbar ist.
  • Schnell wirksame Kalke, wie Brannt- und Mischkalk, dürfen nicht gemeinsam mit Gülle und Jauche ausgebracht werden, es soll eine Bodenbearbeitung oder ein Regen dazwschen sein.
  • Kalkmengen von mehr als 1 t CaO/ha auf leichten Ackerböden beziehungsweise mehr als 1,5 t CaO/ha auf mittelschweren und schweren Ackerböden sollten jedoch auf mehrere Gaben im Abstand von zwei Jahren aufgeteilt werden.

Auswahl von Düngekalken

Düngekalke unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Zusammensetzung (unterschiedliche Calciumformen und sonstigen Nährstoffen), der Löslichkeit und Wirksamkeit.
  • Leichte Böden brauchen grundsätzlich langsam wirkende Kalke (z.B. kohlensaure und silikatische Kalke), hingegen würden schnell wirkende Kalke (z.B. Branntkalk) hier zu übermäßigem Humusabbau und dadurch zu "armen Söhnen" führen.
  • Im Grünland werden langsam wirkende Kalke verwendet, diese können zwischen allen Nutzungen ausgebracht werden.
  • Auf schweren Böden - insbesondere im Ackerland - sollten schnell wirksame und leicht lösliche Kalke (Brannt- und Mischkalk oder Rückstandskalke, wie z.B. Schwarz- oder Carbokalk) eingesetzt werden.
  • Wo eine rasche Löslichkeit benötigt wird, wie z.B. bei schweren Böden zur Stabilisierung der Krümelstruktur, als Hygienemaßnahme z.B. gegen Schnecken sowie bei Pilzkrankheiten wie Kohlhernie etc., ist vor allem Branntkalk - trotz des höheren Produktpreises - die richtige Wahl. Allerdings sind der richtige Einsatzzeitpunkt und die seichte Einarbeitung in die Krume eine wesentliche Voraussetzung für die gute Wirkung.
  • Neu ist ein spezieller Güllekalk, dieser ist besonders fein und bleibt deshalb nach dem Einblasen in der Güllegrube ein paar Wochen in Schwebe. Er wird mit der Gülle ausgebracht ohne Verluste von Güllestickstoff zu verursachen.

Mahlfeinheit

Der Vermahlungsgrad beeinflusst maßgeblich die Löslichkeit von karbonatischen und silikatischen Kalken. Je feiner die Vermahlung ist, desto größer ist die umsetzungsaktive Oberfläche und damit letztlich auch die Wirksamkeit des Produktes. Nur von fein vermahlenem Kalk (Körnung kleiner 0,3 mm) kann eine Kalkwirkung in absehbarer Zeit erwartet werden. Grobkörnige Kalke verbleiben über mehrere Jahre wie Schotter im Boden. Algenkalke haben eine große innere Oberfläche und daher den Ruf hoher Wirksamkeit, sind aber auch sehr teuer.

Preiswürdigkeit

Um Düngekalke mit verschiedenen Bindungsformen (Oxide = CaO, Karbonate = CaCO3, Silikate = CaSiO4, Kalkhydrat = Ca (OH)2) untereinander vergleichen zu können, müssen sie in Reinkalk (CaO-Gehalt) umgerechnet werden. Sie erhalten die Angaben über den CaO-Gehalt eines Produktes auf Anforderung beim Händler (Warenbegleitschein). 
 
Kalkkosten - Berechnung
Preis pro kg CaO = Marktpreis je 100 kg 
                                 % CaO des Düngers

Beispiel:
Angenommen ein Mischkalk mit 60% CaO kostet € 80,- je Tonne 
Ein kohlensaurer Kalk mit 53% CaO kostet € 70,- je Tonne

Mischkalk:                   8 / 60 = 0,133 € je kg CaO 
Kohlensaurer Kalk:     7 / 53 = 0,132 € je kg CaO
Die beiden Kalke sind praktisch gleich teuer, obwohl beim Preis pro Tonne € 10,- Unterschied besteht.

Verbreitete Kalke mit CaO-Gehalt

Bezeichnung "CaO" -Gehalt in % Produktmenge für 1000 kg CaO
Branntkalk - 92 % CaO 92 ca. 1100 kg
Mischkalk 60 - CaO + CaCO3 60 ca. 1660 kg
Kohlensaurer Kalk - 95 % CaCO3 53 ca. 1900 kg
Carbokalk (Fa. Agrana) - CaCO3 + Ca(OH)2 30 ca. 3330 kg
Schwarzkalk - ca. 70 % CaCO3 40 ca. 2500 kg
Feuchtkalk 43 mit ca. 75 - 80 % CaCO3 43 ca. 2325 kg
Dolo 40 feucht (mit Mg) - 95 % CaCO3 50 ca. 2000 kg
In Tabellenprogramm öffnen
1 Schritt: Datei auf Festplatte speichern. speichern abbrechen
2 Schritt: In MS Excel öffnen.
07.06.2013
Autor:Johannes Recheis-Kienesberger
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