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Milchbauern blicken sorgenvoll in die Zukunft

Großteil der Bevölkerung ist bereit einen angemessenen Preis für Milch zu bezahlen, so eine brandaktuelle Studie der Landwirtschaftskammer. Vize-Präsident Johann Resch und Milchsprecher Fritz Zöhrer fordern den Handel auf, Rabattschlachten bei Lebensmittel auf Kosten der Bauern zu unterlassen.
Milchsprecher Fritz Zöhrer  Vize-Präsident Johann Resch  Fritz Gruber (Obmann der Obersteirischen Molkerei) und Friedrich Tiroch (Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei): Knapp 60 Prozent der Bevölkerung ist bereit für Milch mehr zu bezahlen. © Schilling
Milchsprecher Fritz Zöhrer, Vize-Präsident Johann Resch, Fritz Gruber (Obmann der Obersteirischen Molkerei) und Friedrich Tiroch (Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei): Knapp 60 Prozent der Bevölkerung ist bereit für Milch mehr zu bezahlen. © Schilling
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Milchsprecher Fritz Zöhrer, Vize-Präsident Johann Resch, Fritz Gruber (Obmann der Obersteirischen Molkerei) und Friedrich Tiroch (Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei): Knapp 60 Prozent der Bevölkerung ist bereit für Milch mehr zu bezahlen. © Schilling
Milchsprecher Fritz Zöhrer  Vize-Präsident Johann Resch  Fritz Gruber (Obmann der Obersteirischen Molkerei) und Friedrich Tiroch (Geschäftsführer der Obersteirischen Molkerei): Knapp 60 Prozent der Bevölkerung ist bereit für Milch mehr zu bezahlen. © Schilling
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Appell an Handel: Rabatt-Schlachten wie in Deutschland unterlassen!

Nach zufriedenstellenden Erzeugermilchpreisen im vergangenen Jahr sowie in den ersten Monaten 2012, blicken die heimischen Milchbauern jetzt sorgenvoll in die Zukunft. „Weltweit und auch in Österreich ist die Milchproduktion – saisonbedingt und durch die besseren Preise – gestiegen. Das drückt auf die Erzeugerpreise. Wie lange diese Trendumkehr anhalten wird, ist ungewiss“, betonte Hans Resch, Vizepräsident der steirischen Landwirtschaftskammer heute bei einer Pressekonferenz in Graz. Resch und Fritz Zöhrer, Sprecher der steirischen Milchbauern, appellieren an den Handel, diese angespannte Marktlage nicht auszunützen. Sie fordern den Handel auf, Rabattschlachten – wie in Deutschland – mit dem wertvollen Lebensmittel Milch zu unterlassen. Auch ein Großteil der Bevölkerung ist für angemessene Milchpreise, wie eine Umfrage der Landwirtschaftskammer ergab.

Großteil der Bevölkerung für angemessenen Milchpreis.

Zu diesem Ergebnis kommt eine brandaktuelle Umfrage von OEKONSULT im Auftrag der Landwirtschaftskammer. Knapp 60 Prozent der Bevölkerung (57,7%) ist bereit für Milch mehr zu bezahlen, wenn es den Milchbauern zu Gute kommt. Nur 28,2 Prozent sind für billige Milch, 14,1 Prozent ist diese Thematik egal.

Milchbauern kämpfen mit steigenden Kosten.

Ein großes Problem für die Milchbauern sind die steigenden Produktionskosten. „Seit 2005 sind die Preise für die wichtigsten Betriebsmittel – insbesondere für Diesel (+ 68,5%) – um 54,8 Prozent gestiegen, während die Erzeugerpreise in diesem Zeitraum nur um bescheidene 20,7 Prozent angezogen haben. Und bei sinkenden Erzeugerpreisen öffnet sich diese Preis-Kostenschere weiter“, warnt Zöhrer. „Um ihre Kosten zu decken, brauchen die Milchbauern neben den lebensnotwendigen Leistungsabgeltungen für die Landschaftspflege und das Offenhalten der Berggebiete auch entsprechende Erzeugerpreise“, so Zöhrer ferner.

Resch verlangt Weiterführen der EU-Förderprogramme nach 2013, um die Berg-Milchwirtschaft zu erhalten.

Die Schwerpunkte der Milchviehhaltung liegen in den für den Tourismus so wichtigen Grünland- und Berggebieten der Obersteiermark sowie den nördlichen Teilen der Ost- und Weststeiermark. „In den besonders steilen Berggebieten (Bergbauernzone 3 und 4) stagniert die Milchviehhaltung beziehungsweise ist aufgrund begrenzter Wachstumsmöglichkeiten leicht rückläufig, während die Betriebe in günstigeren Lagen der Berggebiete kräftig wachsen“, erklärt Resch. Um die Milchviehbetriebe in den benachteiligten Berggebieten zu erhalten, die unsere vielfältige, abwechslungsreiche Landschaft prägen – eine Kuh pflegt immerhin einen Hektar Wiese oder Alm – verlangt der Vizepräsident ein Weiterführen der EU-Förderprogramme, insbesondere des Bergbauern- und Umweltprogrammes nach 2013. Derzeit werden die neuen EU-Programme für die Landwirtschaft für den Zeitraum von 2014 bis 2020 verhandelt. Knapp 80 Prozent der Bevölkerung tritt für EU-Förderprogramme zur Landschaftspflege ein, so die jüngste OEKONSULT-Umfrage im Auftrag der Landwirtschaftskammer.

80 Prozent der Bevölkerung für EU-Förderprogramme zur Landschaftspflege.

Knapp 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher (78,2%) tritt dafür ein, dass die EU-Förderprogramme zur Landschaftspflege und Produktion höherwertiger Lebensmittel zumindest gleich bleiben oder ausgebaut werden sollen, rund 20 Prozent sind dagegen, so die brandaktuelle OEKONSULT-Umfrage. „Dieses hohe Maß an Zustimmung in der Bevölkerung tut den Bauern gut und bestätigt unseren Kurs“, so Resch.

Tierwohl großgeschrieben.

„Die tierfreundliche Haltung der Rinder, Tierwohl und höchste, kontrollierte Milchqualität haben für die Milchbauern oberste Priorität“, betont Fritz Zöhrer. Und weiter: „Die Milchkühe haben in Österreich verpflichtend Auslauf oder Weidemöglichkeit. Weiters werden fast nur mehr Laufställe mit großzügigen Bewegungsmöglichkeiten und hohem Kuhkomfort gebaut. Außerdem stärkt der hohe Alpungsanteil die Gesundheit und Fitness der Jungtiere.“ Und im Bereich der Fütterung hat Österreich als einziges EU-Land flächendeckend auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt.

Milch zählt zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln.

„Milch ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel vom Stall über die Molkerei bis zum Ladentisch“, betont Zöhrer. Milch wird regelmäßig und mehrfach im Monat nach Inhaltsstoffen und Qualität beprobt. Mindestens dreimal im Monat werden Fett- und Eiweißgehalt, mindestens zweimal im Monat Keim- und Zellzahlen und einmal im Monat der Gefrierpunkt und die Hemmstoffe untersucht.

Milchbauern brauchen wettbewerbsfähige Molkereiwirtschaft.

Milchbauern brauchen wettbewerbsfähige Molkereiwirtschaft. „Die genossenschaftlich organisierte Molkereiwirtschaft, die im Eigentum und unter der Führung der Bauern steht, hat sich als krisensicherer und verlässlicher Partner für die heimischen Milchbauern erwiesen“, betont Fritz Gruber, Obmann der Obersteirischen Molkerei, die im Eigentum von 3.000 Bauern (davon knapp 1.900 Milchbauern) steht und knapp die Hälfte der erzeugten Käse-Spezialitäten überwiegend nach Deutschland exportiert. Kostengünstige Verarbeitung, höchste Qualität, Produkt-Innovationen und erfolgreiches Marketing sind der Schlüssel dieses obersteirischen Paradeunternehmens, das jährlich 142 Millionen Tonnen Milch verarbeitet. „Mit Produktlinien wie ‚Zurück zum Ursprung‘, ‚Heumilch-Spezialitäten‘ sowie internationalen Auszeichnungen wie doppeltes Weltmeister-Gold bei den Käse-Weltmeisterschaften in Wisconsin für den Erzherzog-Johann-Käse punkten wir im Lebensmittelhandel und bei den Verbrauchern“, so Gruber.

Milchquote läuft aus. Molkereien sollen rasch neues Anlieferungssystem bekanntgeben.

Mit 31. März 2015 läuft in der EU und in Österreich die Milchquote aus, die die Anlieferungsmenge für jeden einzelnen Betrieb festlegt. Im Milchwirtschaftsjahr 2011/12 haben nur Deutschland und Österreich die Quoten überliefert. Die österreichischen Milchbauern haben gegenüber 2010/11 die Milchanlieferung um fünf Prozent ausgeweitet und damit die bestehende Quote um 130.000 Tonnen Milch überliefert. „Das führt zu Strafzahlungen von 36 Millionen Euro“, kritisiert Zöhrer. Damit sich die Milchbauern auf die Zeit ohne staatliche Mengensteuerung nach 2015 einstellen können, verlangt Zöhrer von den heimischen Molkereien, rasch die künftigen Anlieferungssysteme bekanntzugeben.
31.05.2012
Autor:Rosemarie Wilhelm
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