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"Man muss sich für Entscheidungen Zeit nehmen"

Wie Unternehmer im Alltag die richtigen Entscheidungen treffen und was hinter der Angst vor falschen Entscheidungen steckt, erklärt Universitätsprofessor Erich Kirchler.
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Was sind die häufigsten Fehler, die bei Entscheidungen gemacht werden?
Erich Kirchler: Es gibt sieben große Entscheidungsfehler: aufschieben, zu schnell entscheiden, nur mit Emotion handeln, keine Trennung zwischen wesentlich und unwesentlich, zu viel investierte Energie, nur die weichen Nüsse knacken zu wollen und nur dem Rat der Experten zu folgen.
 
Welche Vorbereitungen sollte man als Unternehmer treffen, um eine gute Entscheidung zu fällen?
Kirchler: Zuerst müssen Sie analysieren, welche Tragweite die Entscheidung hat. Wenn es um wichtige Entscheidungen geht oder um Situationen, die instabil sind, dann ist ein analytisches Entscheiden ratsam. Bei analytischen Entscheidungen muss man sich die Zeit nehmen und überlegen, welche Ziele man hat. Man sollte sich Szenarien überlegen, die man anwenden kann, falls eine Entscheidung nicht in die Richtung geht, die man sich gewünscht hat. Man sollte Risikoentschärfungsoperatoren parat haben, um zu korrigieren oder einen Schaden zu beseitigen.
 
Dabei gilt es auch, das eigene Verhalten zu reflektieren?
Kirchler: Ich muss überlegen, welche verschiedenen Ziele werden verfolgt, von mir selbst, aber auch von Mitentscheidern. Trifft man die Entscheidung aus einer Emotion heraus, folgt man der Herde oder hat man die Situation im Überblick und dementsprechend analysiert. Reflektieren Sie, ob Sie nur Krisenmanagement betreiben und kleinere Probleme vorbeiziehen lassen oder das Gesamtkonzept im Auge behalten.
 
Aus dem Bauch oder Kopf heraus entscheiden – was ist besser?
Kirchler: Viele meinen, analytisches Entscheiden wäre besser gegenüber intuitivem Überlegen, aber so einfach ist es nicht. Die Wahrheit liegt in der Mitte bzw. in der Situation. Wenn man in einer Situation Entscheidungen trifft, in der man Experte ist, über viel Erfahrung verfügt und sich in einem stabilen Umfeld befindet, sind intuitive Entscheidungen häufig sehr gut.
 
Was steckt hinter der Angst vor falschen Entscheidungen?
Kirchler: Zu hohe Angst führt dazu, dass man nicht sachlich entscheidet und man nicht weiß, welche Alternative wirklich die beste ist. Wenn man eine große Unsicherheit hat, lieber nichts entscheidet, als eine aktive Entscheidung trifft, hat das damit zu tun, dass keine Entscheidung zwar auch eine Entscheidung ist, aber kein Handeln und Fehlentwicklungen leichter zu rechtfertigen sind als eine falsche Entscheidung oder eine Entscheidung, die sich später als falsch herausstellt. Aber es lohnt sich, die harten Nüsse zu knacken.
 
Ihre Tipps fürs richtiges Entscheiden?
Kirchler: Nicht aus dem Bauch heraus entscheiden, verdeckte Ziele ans Tageslicht bringen und bei Zeitdruck auf mögliche Manipulation achten.

Zur Person

Erich Kirchler wurde 1954 in Südtirol geboren. Seit 1992 ist er an der Universität Wien Professor für Wirtschaftspsychologie. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Geldmanagement im privaten Haushalt sowie Steuerpsychologie. Sein Buch "Wirtschaftspsychologie: Individuen, Gruppen, Märkte, Staat" ist bereits in vierter Auflage erschienen. Privat ist Kirchler interessiert an Theater und Kultur. Zum Ausgleich geht er ins Fitnesscenter, läuft, schwimmt und fährt Schi.
09.02.2012
Autor:Interview: Anita Arneitz
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