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Jedes verendete Kalb ist eines zu viel

Totgeburten und Kälberverluste kommen in jedem Betrieb vor und können niemals ganz ausgeschlossen werden. Der Anteil der Kälberverluste variiert aber sehr stark zwischen den Betrieben. Grundsätzlich gilt: Jedes verendete Kalb ist eines zu viel!
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Gesunde Kälber sind ein wichtiges Koppelprodukt in der Milchviehhaltung und beeinflussen deren Leistungen laut Auswertung der Arbeitskreisbetriebe für Milchviehhaltung mit 9 %. Die Geburts- und Aufzuchtsverluste in der Kälberhaltung liegen heute in schlecht geführten Betrieben bei über 15 %, in guten Betrieben dagegen nur bei 2 bis 3 %.
Tatsache ist auch, dass auf Betrieben mit hohen Kälberverlusten die "Überlebenden" bedeutend häufiger von Erkrankungen wie Kälberdurchfall, Lungenentzündungen usw. betroffen und somit in deren Entwicklung eingeschränkt sind. Diese Krankheiten haben oft längerfristige Wachstumseinbrüche und hohe Behandlungskosten zur Folge. Außerdem ist der Infektionsdruck für die gesunden Kälber um ein Vielfaches erhöht.
 
Besamungsmanagement

Die Graphik zeigt, dass die Kälber- und Aufzuchtsverluste in 251 (ca. 31 % der AK-Betriebe) von den insgesamt 815 teilnehmenden Arbeitskreisbetrieben unter 3 % liegen. Die Verlustrate von weniger als 5 % erreichen 389 Betriebe, was einem Anteil von knapp 48 % aller Arbeitskreisbetriebe entspricht.
Leider liegt im Gegensatz dazu die Verlustrate bei 109 Betrieben bei über 15 %. Das bedeutet, dass auf über 13 % aller Arbeitskreisbetriebe mehr als 15 % der Kälber verenden. Hier besteht dringender Handlungsbedarf im Management. Mögliche Ansatzpunkte sind nachstehend angeführt:
Der allererste Schritt für eine erfolgreiche Geburt wird mit der Auswahl eines geeigneten Vatertieres gelegt. Grundsätzlich ist dabei zu unterscheiden, ob es sich um die Belegung einer Kalbin oder einer Kuh handelt. Im Stierkatalog werden laufend Stiere, die leichte Geburten verursachen, speziell als Kalbinnenstiere ausgewiesen. Bei Kühen entscheiden der Rahmen und weitere einzelbetrieblich erwünschte Merkmale über den Einsatz eines bestimmten Stieres. 
 
Kälberaufzucht beginnt im Mutterleib

Ein Teil der Aufzuchtverluste geht auf Kosten der klassischen Kälbererkrankungen wie dem Kälberdurchfall als bekanntestes Beispiel. Der andere Teil entsteht durch Schwer- und Totgeburten und geht zu Lasten der Milch- und Reproduktionsleistung des Muttertieres. Es sind also nicht nur Mängel bei der Tränke und der Hygiene im Kälberstall abzustellen, sondern es gilt auch, den Gesundheitszustand und die Körperkondition der Muttertiere zu beobachten.
Während im ersten Laktationsdrittel die Gefahr der energetischen Unterversorgung besteht, tritt im letzten Laktationsabschnitt meist das Phänomen der Überversorgung auf, was dazu führt, dass die Kühe "fett, aber nicht fit" zur Abkalbung gelangen. Die typischen Problemkühe bei der Abkalbung sind verfettete Tiere. Dabei beziehen sich die Probleme nicht nur auf die Geburt selbst, sondern verursachen auch Schwierigkeiten bei der folgenden Belegung. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die Zwischenkalbezeit verlängert, sich die Kühe länger im altmelkenden Stadium befinden, wieder zur Verfettung neigen und sich die Spirale mit allen Nachteilen von Laktation zu Laktation weiterdreht.

Geburtshilfe

In den allermeisten Fällen erweist sich Geduld als der beste Geburtshelfer, da es eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, bis sich der Geburtskanal mit dem Einsetzen und Verstärken der Wehen ausreichend weiten kann. Nachdem die Fruchtblase geplatzt ist, kann ca. eine Stunde zugewartet werden. Sollte sich nach dem Verstreichen dieser Zeitspanne allerdings nichts tun, ist es angebracht einzuschreiten und die Lage des Kalbes mit sauberen Händen zu kontrollieren. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Entscheidung zu treffen, ob ein Tierarzt beigezogen werden muss.
Verläuft die Geburt problemlos, ist dem Nabel besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Desinfektion mit Jodlösung sollte immer stattfinden. Dabei ist zu kontrollieren, ob die Nabelschnur nicht zu nah an der Bauchdecke abgerissen ist, die eine offene Wunde darstellt und damit eine Eintrittspforte für Erreger von Infektionen bildet. 
 
Versorgung mit Biestmilch

Am Anfang sind die Kälber schutzlos! Über das Blut des Muttertieres während der Trächtigkeit erhält das Kalb nur wenige Schutzstoffe. Um möglichen Infektionen vorzubeugen, müssen dem neugeborenen Kalb ehestmöglich die Schutzstoffe über die Biestmilch verabreicht werden. Erst dann kann das Kalb sein eigenes Immunsystem aufbauen. Da die Qualität der Biestmilch sehr rasch abnimmt, soll die erste Biestmilchgabe innerhalb von zwei Stunden gewährleistet sein. Allein die Tatsache, dass sich das Kalb bei der Mutter befindet, ist aber lange noch kein Garant dafür, dass das Kalb auch tatsächlich mit Biestmilch versorgt wird. Die genaue Tierbeobachtung ist unumgänglich!
Wie eingangs erwähnt sind Kälberverluste niemals zur Gänze vermeidbar. Die Beachtung der angeführten Punkte hilft aber diese zu minimieren und ihren Kälbern einen optimalen Start ins Leben zu gewährleisten.

Geburtshygiene

Ein sauberer Geburtsort bietet einen hygienisch optimalen Start ins Leben. Denn viele Erstinfektionen finden beim Geburtsvorgang statt. Daher soll sich die Abkalbebox in einem hygienisch einwandfreien Zustand befinden und sich dementsprechend einfach reinigen lassen. Da die Geburt sowohl für die Kuh als auch für das Kalb eine Stresssituation darstellt, sollte sich die Kuh nicht auch noch mit einer total neuen Umgebung zurechtfinden müssen. So sollten abkalbende Kühe bereits eine Woche vor dem Abkalbedatum in die Abkalbebox verbracht werden. Im Milchviehbetrieb empfiehlt es sich, dass sich die Abkalbebox in der Nähe des Melkstandes befindet. Die Vorteile liegen einerseits darin, dass Kuh und Kalb besser beobachtet werden können und andererseits, dass der Kontakt zur Herde erhalten bleibt. Zusätzlich ergibt sich dadurch eine arbeitswirtschaftliche Erleichterung beim Melkvorgang.

21.08.2008
Autor:Dipl.-Ing. Klaus Messner
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