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Gülle: Verluste sind vermeidbar

Bei ungünstigem Wetter geht ein Drittel des Stickstoffes verloren. Die Gülle selbst, Wetter, Technik und Zeitpunkt sind die wichtigsten ­Faktoren.
Bei ungünstigem Wetter geht ein Drittel des Stickstoffes verloren © Roman Musch
Bei ungünstigem Wetter geht ein Drittel des Stickstoffes verloren © Roman Musch
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Bei ungünstigem Wetter geht ein Drittel des Stickstoffes verloren © Roman Musch
Bei ungünstigem Wetter geht ein Drittel des Stickstoffes verloren © Roman Musch
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Die Ausbringung des wichtigsten Nährstofflieferanten für das Wirtschaftsgrünland ist in letzter Zeit wieder stärker in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Grund dafür ist einerseits das Thema Geruchsbelästigung, das in der öffentlichen Wahrnehmung mancherorts zu Konflikten führt. Im Allgemeinen darf man aber wochentags bei Tiefdruckwetter von der Bevölkerung Verständnis erwarten. Anderseits soll es dem Betrieb einen ökonomischen Nutzen bringen, die Stickstoffverluste bei steigenden Düngemittelpreisen so gering wie möglich zu halten.

Hohe Verluste möglich

In der Rindergülle liegt der Stickstoff je zur Hälfte organisch gebunden und in Form von Ammonium (NH4+) vor. Während der organisch gebundene Teil nicht verloren gehen kann, können die Verluste des Ammoniumstickstoffs in Form von Ammoniak ganz erheblich sein und weit über den für die Düngeberechnungen verwendeten Wert von 13 Prozent hinausgehen. Eine Gülle mit 50 prozentigem Verdünnungsgrad enthält rund drei Kilo Stickstoff je Kubikmeter, das bedeutet einen Ammoniumanteil von 1,5 Kilo Stickstoff je Kubikmeter. Von diesem Ammonium-Anteil können bei ungünstigen Bedingungen 60 Prozent verloren gehen. Die Verluste können also gerundet bis zu einem Kilo Stickstoff je Kubikmeter Gülle ausmachen.

Grundsätze beachten

Günstige Bedingungen sind tiefe Temperaturen, regnerisches Niederdruckwetter und Windstille. Gülle sollte mit möglichst viel Wasser verdünnt werden, das ist die pflanzenverträglichste Form der Ausbringung. Durch eine gute Verdünnung sinken auch die Ausbringungsverluste. Für die Praxis sollte das Verhältnis Gülle zu Wasser bei etwa 2:1 liegen. Verdünnungen darüber hinaus schaffen zwar noch bessere Verträglichkeiten, sind aber aufgrund der höheren Ausbringungskosten meistens nicht mehr wirtschaftlich. Ein weiterer limitierender Faktor ist häufig der begrenzte Grubenraum. Betriebe, die mit der Gülleverschlauchung arbeiten, sollten bei anstehenden Umbauarbeiten den Grubenraum großzügig dimensionieren, denn die Kosten pro Kubikmeter ausgebrachter Gülle steigen im Vergleich zum Güllefass wesentlich weniger an. Nicht alle Betriebe haben günstige Voraussetzungen, eine angemessene Verdünnung zu schaffen. In diesen Fällen bieten sich folgende Möglichkeiten an:
  • Zusatz von Steinmehl, das mehr Sauerstoff in die Gülle bringt. Dadurch kommt es zu einer besseren Vergärung und die Gülle wird für den Pflanzenbestand verträglicher. Es gibt auch Anbieter, die Trägerstoffe (Steinmehl) „informieren“ und so mit kleineren Mengen den gleichen Effekt erzielen.
  • Zusatz von effektiven Mikroorganismen, die in erster Linie eine merkbare Geruchsverbesserung schaffen (durch aerobe Vergärung).
  • Zusatz von Nitrifikationshemmern (wie beispielsweise Güllemax), die einerseits eine verbesserte Fließfähigkeit der Gülle bewirken und anderseits den Ammonstikstoff binden, der dann langsam wieder freigesetzt wird. Bei allen Zusätzen ist darauf zu achten, dass die Kosten den Nutzen nicht übersteigen.

Gülleausbringung

Die Verluste bei der Ausbringung entstehen nicht nur während der Ausbringung selbst, sondern auch in der Zeit bis sie in den Boden eindringt. Im Acker ist es vielfach zur Selbstverständlichkeit geworden (gute landwirtschaftliche Praxis), die Gülle so rasch wie möglich einzuarbeiten. Beim Grünland verlassen wir uns auf den Regen – der dann nicht immer kommt. Dicke Gülle sollte bei ungünstigen Bedingungen mit einem Grünlandstriegel (evtl. Kombination mit Übersaat) mit aggressiver Einstellung eingearbeitet werden.

Ausbringungstechnik im Vergleich

  • Pralltellerverteiler: Die Gülle prallt mit hoher Geschwindigkeit je nach Fabrikat von oben oder unten auf verschieden ausgeformte Prallteller. Vorteil: kostengünstig; gute Flächenverteilung Nachteil: kleine Tropfen, dadurch Wind anfälliger und höhere Stickstoffverluste
  • Schwenkkopfverteiler (z.B.: Möscher Schwenkverteiler): Der Gülleverteiler schwenkt horizontal ständig hin und her, dadurch kann der Ausbringradius kleiner gehalten werden und der Aufprall der Gülle erfolgt flacher Vorteil: größere Tropfen, die weniger Futterverschmutzung mit sich bringen und geringere Windanfälligkeit; der Aufwuchs kann schon bis zu zehn Zentimeter hoch sein. Nachteil: Teurer in der Anschaffung; gute Abstimmung mit der Ausbringmenge notwendig; maximale Fahrgeschwindigkeit sieben Kilometer pro Stunde
  • Schleppschlauchverteiler: Die Gülle gelangt über Schläuche an die Bodenoberfläche. Vorteil: Es entstehen keine windbedingten Ausbringungsverluste Nachteil: Höhere Ausbringungskosten; bei Güllen über sechs Prozent Trockenmasse bleiben „Würste“ liegen; höhere Futterverschmutzung
  • Gülleinjektoren: Die Technik ist derzeit für den Grünlandeinsatz zu teuer, da die Auslastung nicht gegeben ist. Außerdem werden die eingesparten Stickstoff-Verluste durch den höheren Zugkraftbedarf aufgefressen.
  • Fazit: Die Technik kann mithelfen, die Stickstoffverluste zu minimieren. Bei einem Mineraldüngeräquivalent von rund 1,80 Euro pro Kubikmeter Ammonstikstoff einer durchschnittlich verdünnten Gülle dürften die Mehrkosten für die Boden einbringende Technik bei einer angenommenen Verlustminderung von 20 Prozent gegenüber einer einfachen Ausbringtechnik nicht mehr als 0,40 Euro pro Kubikmeter ausgebrachter Gülle ausmachen. Den richtigen Zeitpunkt der Gülleausbringung zu erwischen erfordert gute Beobachtung, Fingerspitzengefühl, rasches Reagieren und ­Wetterglück.
14.06.2012
Autor:Günther Wagner
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