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Fleisch-Diskussion erregt Bauernschaft

Die Berichterstattung der Kleinen Zeitung vom 22. August 2010 über die Tierhaltung in der Steiermark und den Fleischkonsum erschüttert die heimischen Bäuerinnen und Bauern. Erzürnte Landwirte ließen der Landwirtschaftskammer ihre Meinung zukommen. Einige Auszüge.
Diskussion: Ist fleischessen ethisch vertretbar? © AMA
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Diskussion: Ist fleischessen ethisch vertretbar? © AMA
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Diskussion: Ist fleischessen ethisch vertretbar? © AMA
Diskussion: Ist fleischessen ethisch vertretbar? © AMA
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Herr Buchgraber, Feldbach (Tel.)
"Nach dem gestrigen Frühstück muss ich mich schämen Bauer zu sein. Bis gestern war ich stolzer Bauer. Denn wir produzieren nach strengsten Auflagen und gemäß den strengen Richtlinien des Bundestierschutzgesetzes. Wollen uns die Leute der Kleinen Zeitung ruinieren? Wenn Sie uns umbringen wollen, wer pflegt dann die schöne Landschaft. Die öffentliche Hand sicher nicht. Denn sie hat kein Geld".
 
Friederike Hamerlindl, Großwilfersdorf (Tel.)
"Diese Artikel sind rufschädigend. Wir bewirtschaften unsere Flächen mühevoll und die hohen Standards werden überstreng kontrolliert, jetzt werden wir an den Pranger gestellt. Auf uns wird gezeigt wie schlecht wir sind."
 
Familie Stranzl (E-Mail)
Ob der Mensch Fleisch braucht oder nicht, muss jeder selbst entscheiden! Die Kleine Zeitung brauchen wir aber sicher nicht. Deshalb habe ich sie heute Morgen auch schon abbestellt.
Solche einseitigen Stellungnahmen ohne PRO und CONTRA finde ich derart ungerecht, noch dazu wenn sich die CONTRAS über die gesamte Sonntagsausgabe erstrecken. Über die auf den Seiten 18/19 angeführten Haltungsmethoden habe ich schon vor einigen Monaten bei der Kleinen Zeitung Stellung genommen. Den zuständigen Redakteur habe ich erklärt, wieviel Reingewinn pro Schwein erwirtschaftet werden kann und dass deshalb eine größere Schweineherde gehalten werden muss, um einen Bauernhof im Vollerwerb führen zu können. Das ist auch der Grund warum schon so viele Bauern das Handtuch geworfen haben. Trotzdem kann ich sagen, dass sich unsere Schweine, auch wenn sie nicht in der Erde wühlen, gänzlich wohl fühlen.  
 
Martin Höfler (E-Mail)
Auch ich habe mir als Schweinebauer am Sonntag Morgen, als ich die Kleine Zeitung zum Frühstück gelesen habe gedacht, was soll das? Alle in Österreich die gesundes hochwertiges Fleisch produzieren, verarbeiten und vermarkten - und dies nach dem strengen österreichischen Lebensmittelgesetz - fühlen sich in ihrer Arbeit beleidigt.  
 
Johann Reisinger (E-Mail)
In der Ausgabe der Kleinen Zeitung vom Sonntag den 22. August wird die ehrliche Arbeit unserer steirischen Bauern total in Frage gestellt.
 "Braucht der Mensch Fleisch?" Allein die Überschrift ist meines Erachtens unverantwortlich.
Wenn diese Tageszeitung dem Buch eines amerikanischen Autors soviel Platz widmet würde man annehmen, dass sich unsere steirischen Bäuerinnen und Bauern für ihren Fleiss täglich eine eigene Ausgabe verdienen. Allein das Argument, das man mit 1 kg Roggen, 1 kg Brot erzeugen kann aber für 1kg Fleisch, 4-7 kg benötigt werden, ist ein polemischer Schwachsinn. Osteuropa aber auch China und inzwischen Afrika haben längst erkannt wenn ihre Bürger täglich ausgewogen und mit Fleisch ernährt werden, steigt die Leistungsbereitschaft der Bevölkerung und somit der Wohlstand. Aber auch die Tierhaltungssysteme in der steirischen Landwirtschaft in Frage zu stellen ist ein blanker Hohn an die Bauernschaft. Gerade jetzt wo unsere Bauern mit viel Geld in tierfreundlichere Haltungssysteme investieren darf ihnen der Glaube in die Zukunft nicht genommen werden. Und im Übrigen: solche Beiträge in einer Tageszeitung die im ländlichen Raum sehr verbreitet ist, sägt so an ihrem eigenen Ast. Das ist der Unmut vieler Bäuerinnen und Bauern im Bezirk Hartberg.
 
Karl-Heinz Knaß (E-Mail)
Kurze Stellungnahme aus meiner Sicht: völlig überzogene Argumente welche den Konsumenten nur verunsichern, uns bäuerliche Produzenten schaden.
"Lebensmittel mit Eigenschaften" werden künftig immer mehr gefragt sein. Wo Heimat und Lebensfreude, Gesundheit, Geschmack und Regionalität mit vermarktet werden, erhält das Lebensmittel jenen Stellenwert, den es verdient!
So agrarisch bunt wie das Genussland Steiermark ist kaum eine andere Region.
Wir sind stolz darauf, mit unserer regionalen Qualität und Vielfalt einen wichtigen Beitrag leisten zu können.
Unsere Bäuerinnen und Bauern schaffen mit ihren Lebensmitteln mehr Lebensqualität und somit ein großes Stück mehr an Lebensfreude.
Regional genießen hat Zukunft !
 
Kurt Tauschmann (E-Mail)
Die Gesellschaft erwartet von uns, dass wir günstige, gesunde Lebensmittel für die Konsumenten erzeugen. Dies tun wir weltweit gesehen auf höchstem Niveau. Dieses Spannungsfeld zwischen sehr hohen Auflagen und benachteiligten -europäisch gesehen - kleinen Strukturen ist der Arbeitsplatz unserer österreichischen Landwirtschaft. Bis jetzt haben die Bauern nur durch ihren Einsatz und ihren Fleiß diesen sehr harten Wettbewerb überhaupt überlebt. Wir versuchen über die landwirtschaftlichen Erzeugeroranisationen, die Schlachthöfe und den Handelsketten bis hin zum Konsumenten höhere Produktpreise zu erzielen. Wir wollen eine Win-Win Situation für alle Beteiligten erreichen. Zum einen die besten und gesündesten Lebensmittel für unsere Konsumenten und zum anderen überlebenswichtige Erzeugerpreise für unsere Bauern. Denn von den Betriebsgrößen her sind wir in Österreich nur Klein und Kleinstbauern - im europäischen Vergleich. Wenn hier Printmedien versuchen die kleine österreichische Landwirtschaft als Massentierhaltung darzustellen, werden die zukünftig noch ürbrig bleibenden Fleischesser ihr Fleisch wohl oder übel aus dem Ausland beziehen.
P.S. Wie wärs mit einer Diskussion über die Hunde und Katzennahrung in Österreich?    
 
Fritz Reisinger (E-Mail)
Die Kleine Zeitung behauptet in ihrer Ausgabe am Sonntag dem 22.8.2010 das trotz Verbotes der Anbindehaltung noch immer 80 % der Rinder in Anbindehaltung gehalten werden. Diese Behauptung ist eine Frechheit ! Kein anderer Berufsstand wird auf die Einhaltung der gesetzlichen Verpflichtungen so stark kontrolliert wie die Bauern. Mehr als 80 % der Rinder werden in Laufställen gehalten und haben regelmäßigen Auslauf auf die Weiden und Almen. Wenn die Kleine Zeitung sich nun mit unwahren Behauptungen gegen die Bauern stellt, gibt es nur eine Antwort.......Zeitung abbestellen und dadurch wieder gesünder leben, denn ärgern schadet der Gesundheit bestimmt mehr als der Verzehr von wertvollem Rindfleisch.

Anonym aus Hartberg (E-Mail)
Nichts für ungut, der Artikel ist nicht schlecht geschrieben. Für Personen ohne Landwirtschaftlichen Hintergrund auch sicherlich SEHR plausibel. Für mich aber klingt dieser Artikel eher wie eine Beleidigung an die heimische Landwirtschaft. Ich bitte hier auch die "Kleine Zeitung", sollte man wieder über Richtlinien in der Tierhaltung schreiben, so zitiert die Tierschutzauflagen bitte genau und interpretiert bitte nicht selbst, den im Artikel "Der Sprung von Käfig auf den Boden" sind "einige" Interpretationsfehler.
 
Prinzipiell ist die Anzahl jener, die sich Beschweren um einiges höher als der, die sich dann wirklich im Stall, am Feld etc. um die Lebensmittelversorgung der heimischen Bevölkerung bemühen. Und wenn wir ehrlich sind: wie viele Konsumenten kaufen ALLE Ihre Landwirtschaftlichen Produkte (das beginnt bei Mehl/Brot bis hin zu Fleisch, Wurstwaren, Eiern oder Milch) beim Erzeuger??
Leider ist ein betriebliches Überleben in der Landwirtschaft nur mehr ab einer gewissen Größenordnung möglich, denn der Markt (und somit die Konsumenten) diktieren den Preis, der Landwirt als Erzeuger muss sich den Wünschen des Marktes unterordnen (und somit seinen Betrieb überlebensfähig = größer machen) - oder aufhören.
 
Wir Landwirte fügen uns ständig wechselnden Umwelt- und Tierschutzauflagen, sicherlich manches ist logisch und eine echte Verbesserung, aber in vielen Punkten gilt leider: "Übertriebenes Unnützliches und Unlogisches vor Machbarkeit und Effektivität".
 
Ja, es stimmt, es wurden Schweinen die Schwänze kupiert, Rindern die Hörner geschnitten, Hühnern die Schnäbel gestutzt, aber WARUM hat sich wohl noch keiner gefragt!
NIEMAND (und ich glaube ich spreche hier wirklich für alle Bauern) macht das weil man die Tiere quälen will.
Ganz im Gegenteil! Jetzt stellen Sie sich mal vor wie es für die Tiere ist, wenn sich z.B. Mutterkühe mit den Hörnern selbst verletzten oder den Landwirt damit erwischen, oder auf der Alm wieder einmal Wanderer "anfallen" - hier geht es NUR um Gefahrenminimierung! Oder haben Sie schon mal gesehen was passiert wenn man den Schweinen die Schwänze nicht kupiert? Sie fangen an sich gegenseitig anzuknabbern, im schlimmsten Fall fressen die Tiere sich gegenseitig auf! Ist das Besser oder Schöner anzusehen???
Auch bei den Hühnern ist es nichts anderes, die Tiere beginnen die schwächeren Artgenossen (und da muss die Herde nicht einmal größer als 5 Stk sein) zu "zerlegen" - im wahrsten Sinne des Wortes!
 
Und jetzt beantworten Sie sich selbst nur eine Frage: Welches Leid ist größer? Wenn diese Schutzmaßnahmen unter Fachkundiger Aufsicht schnell und SCHMERZFREI passieren oder die Qualen, die ein Tier hat wenn es durch Artgenossen "verstümmelt", "zerpeckt" oder gar getötet wird?????
Wenn man als Konsument auf "Tiergerecht" einkaufen will, achten Sie doch einfach auf österreichische Produkte. Denn in keinem anderen Land dieser Erde (richtig gelesen - kein Scherz) gibt es strengere Tierschutzauflagen!
 
Vegetarische Ernährung:
Grundprinzipell ist eine fleischlose Ernährung nur im bewussten Umgang ALLER "vegetarischen" Möglichkeiten sinnvoll, Vegetarier zu sein nur weil es "in" ist, führt oft zu Mangelerscheinungen, wenn man die Nährstoffversorgung nicht genau "kontrolliert".
Ausserdem, vielleicht wurde diese Seite ja noch nicht bedacht, aber stellen Sie sich vor, die "Massentierhaltung" wird in Ö. abgeschafft, und stellen Sie sich vor, dass ein Großteil der österreichischen Bevölkerung vegetarisch (also ohne die Verwendung von tier. Produkten) lebt, gibt es genau ein großes Problem: Es gibt nicht genügend "natürlichen" Dünger für diese Flächen!
Denn ohne gewisse "Mengen" an Tieren gibt es auch nicht genügend Mist. Und somit würde man entw. die chem. Düngemittelindustrie fördern, oder aber den Boden unterversorgen und keine qualitativ hochwertigen Produkte erzeugen können.
Man sollte also doch immer beide Seiten der Medaille sehen...


 

23.08.2010
Autor:Roman Musch
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