Die Früchte werden bei einem Durchmesser von 20 mm in die z.T. doppelwandigen Papiertüten gehüllt; diese werden ca. 20 Tage vor der Ernte wieder entfernt. © lk/mazelle |
Nicht nur ihren Reisbedarf deckt die Welt zum größten Teil mit Lieferungen aus dem "Reich der Mitte", auch bei der Apfelproduktion ist China weltweit die Nummer eins und wird diese Position auch in der kommenden Saison verteidigen. Mit einer steirischen Apfelplantage haben die Produktionsgebiete im fernen Osten allerdings wenig gemeinsam, wie LK-Fachmann Wolfgang Mazelle auf seiner Fachexkursion gemeinsam mit Obstbauexperten aus Österreich und Deutschland feststellte. Die Reisegruppe konnte sich aber auch vom Ehrgeiz und der Innovationsbereitschaft der Chinesen überzeugen.
Papiersackerl auf den Äpfeln
"Interessant ist die fast überall praktizierte Methode des Einsackens der Früchte: Hauptsächlich um den Pflanzenschutzmittelaufwand zu reduzieren beziehungsweise um die Früchte zu schützen, werden diese bei einer Größe von cirka 20 Millimeter in Papiersäcke gehüllt", erklärt Mazelle. Die Säcke verbleiben während der gesamten Vegetationsperiode am Baum. Entfernt werden sie erst rund 20 Tage vor der Ernte. Zehn Tage lang ist eine Person damit beschäftigt, die Äpfel auf einer Fläche von einem Mu (1/15 Hektar) "einzutüten". Die Kosten dafür werden mit rund 1.500 Euro pro Hektar angegeben.
Viele Verantwortliche für eine Plantage
Man findet in China riesige Flächen mit Apfelbäumen, die von mehreren Bauernfamilien betreut werden. Zwar ist jede Familie für einen bestimmten Teil der Plantage zuständig, "erkennbare Grenzen wie etwa Fahrgassen gibt es aber nicht", sagt Mazelle. Eine Bauernfamilie betreut im Durchschnitt rund 10 Mu, was etwas mehr als 6.000 Quadratmetern entspricht.
Einfache Methoden
Unterschiede zur Steiermark gibt es weiters beim Ernteverfahren: Während hierzulande Obsttraktoren den Transport erleichtern, werden die Äpfel in China mit dem Handkarren aus der Anlage transportiert. Auch Gerüste sucht man in den Plantagen vergeblich. Was den Pflanzenschutz betrifft, berichtet Mazelle, dass "relativ wenig Spritzungen" durchgeführt werden. Verwendet werden dazu ein Schlauch und einfache Düsen, die am Ende von Stangen fixiert werden. Mit einer Art Maurerkelle mischt der Arbeiter die flüssigen Pflanzenschutzmittel, Schutzbekleidung trägt er dabei keine.
Riesige Produktionsmenge
Insgesamt werden in China rund 70 Millionen Tonnen Obst produziert, davon rund 30 Millionen Tonnen Äpfel. Der Mammutanteil - rund 90 Prozent - wächst in nur zwei Regionen des Landes: die Lössplateau-Region (westlich von Peking) und die Bohai Golf-Region (südöstlich von Peking). Beide Regionen standen auf der Reiseroute des Expertenteams: in der Lössplateau-Region die Provinz Shaanxi und in der Bohai Golf-Region die Provinz Shandong.
Ehrgeizige Zukunftspläne in Shaanxi
Boden und Klima sind in Shaanxi ideal für den Apfelanbau. "Apfelsaft-Konzentrat ist ein Hauptprodukt", sagt Mazelle. Und weiter: "Mehr als die Hälfte des chinesischen Gesamtexportes stammen aus dieser Provinz. Das entspricht 40 Prozent des Weltexportes." Allerdings will man die Konzentratproduktion in Zukunft zugunsten der Qualitätsäpfel reduzieren. Außerdem soll der biologischen Produktion ein verstärktes Augenmerk zukommen. Man stellt sich neuen Markt- und Konsumtrends: Obstproduzenten berichteten der Exkursionsgruppe von geplanten "Selbstpflück-Projekten" im Einzugsgebiet der Großstädte und von Kooperationen mit dem Tourismus. Dazu wird auch eine Erneuerung der Anlagen für notwendig erachtet. Mazelle berichtet außerdem, dass neue Anlagen nur mehr auf optimalen Flächen entstehen sollen.
Umtriebige Forscher in Shandong
In der Provinz Shandong statteten die Obstexperten aus Österreich und Deutschland der Versuchsstation der Agraruniversität einen Besuch ab. Von den 35 Forschern beschäftigen sich zwölf ausschließlich mit Äpfeln, beispielsweise mit der Prüfung und Kreuzung von importierten Sorten. Finanziert wird die Station hauptsächlich vom Staat, geringe Erlöse stammen auch aus dem Verkauf von Pflanzmaterial.
Positives Resümee
"Die Dimensionen, aber auch der Fleiß und die Innovationsbereitschaft im chinesischen Obstbau und der gesamten Wirtschaft sind beeindruckend", fasst Mazelle zusammen. "Es scheint das System aus Marktwirtschaft gepaart mit rigorosen Vorgaben der Planwirtschaft gut zu funktionieren." Der LK-Obstexperte ist davon überzeugt, dass Chinas ehrgeizige Pläne noch lange nicht erreicht sind.
Papiersackerl auf den Äpfeln
"Interessant ist die fast überall praktizierte Methode des Einsackens der Früchte: Hauptsächlich um den Pflanzenschutzmittelaufwand zu reduzieren beziehungsweise um die Früchte zu schützen, werden diese bei einer Größe von cirka 20 Millimeter in Papiersäcke gehüllt", erklärt Mazelle. Die Säcke verbleiben während der gesamten Vegetationsperiode am Baum. Entfernt werden sie erst rund 20 Tage vor der Ernte. Zehn Tage lang ist eine Person damit beschäftigt, die Äpfel auf einer Fläche von einem Mu (1/15 Hektar) "einzutüten". Die Kosten dafür werden mit rund 1.500 Euro pro Hektar angegeben.
Viele Verantwortliche für eine Plantage
Man findet in China riesige Flächen mit Apfelbäumen, die von mehreren Bauernfamilien betreut werden. Zwar ist jede Familie für einen bestimmten Teil der Plantage zuständig, "erkennbare Grenzen wie etwa Fahrgassen gibt es aber nicht", sagt Mazelle. Eine Bauernfamilie betreut im Durchschnitt rund 10 Mu, was etwas mehr als 6.000 Quadratmetern entspricht.
Einfache Methoden
Unterschiede zur Steiermark gibt es weiters beim Ernteverfahren: Während hierzulande Obsttraktoren den Transport erleichtern, werden die Äpfel in China mit dem Handkarren aus der Anlage transportiert. Auch Gerüste sucht man in den Plantagen vergeblich. Was den Pflanzenschutz betrifft, berichtet Mazelle, dass "relativ wenig Spritzungen" durchgeführt werden. Verwendet werden dazu ein Schlauch und einfache Düsen, die am Ende von Stangen fixiert werden. Mit einer Art Maurerkelle mischt der Arbeiter die flüssigen Pflanzenschutzmittel, Schutzbekleidung trägt er dabei keine.
Riesige Produktionsmenge
Insgesamt werden in China rund 70 Millionen Tonnen Obst produziert, davon rund 30 Millionen Tonnen Äpfel. Der Mammutanteil - rund 90 Prozent - wächst in nur zwei Regionen des Landes: die Lössplateau-Region (westlich von Peking) und die Bohai Golf-Region (südöstlich von Peking). Beide Regionen standen auf der Reiseroute des Expertenteams: in der Lössplateau-Region die Provinz Shaanxi und in der Bohai Golf-Region die Provinz Shandong.
Ehrgeizige Zukunftspläne in Shaanxi
Boden und Klima sind in Shaanxi ideal für den Apfelanbau. "Apfelsaft-Konzentrat ist ein Hauptprodukt", sagt Mazelle. Und weiter: "Mehr als die Hälfte des chinesischen Gesamtexportes stammen aus dieser Provinz. Das entspricht 40 Prozent des Weltexportes." Allerdings will man die Konzentratproduktion in Zukunft zugunsten der Qualitätsäpfel reduzieren. Außerdem soll der biologischen Produktion ein verstärktes Augenmerk zukommen. Man stellt sich neuen Markt- und Konsumtrends: Obstproduzenten berichteten der Exkursionsgruppe von geplanten "Selbstpflück-Projekten" im Einzugsgebiet der Großstädte und von Kooperationen mit dem Tourismus. Dazu wird auch eine Erneuerung der Anlagen für notwendig erachtet. Mazelle berichtet außerdem, dass neue Anlagen nur mehr auf optimalen Flächen entstehen sollen.
Umtriebige Forscher in Shandong
In der Provinz Shandong statteten die Obstexperten aus Österreich und Deutschland der Versuchsstation der Agraruniversität einen Besuch ab. Von den 35 Forschern beschäftigen sich zwölf ausschließlich mit Äpfeln, beispielsweise mit der Prüfung und Kreuzung von importierten Sorten. Finanziert wird die Station hauptsächlich vom Staat, geringe Erlöse stammen auch aus dem Verkauf von Pflanzmaterial.
Positives Resümee
"Die Dimensionen, aber auch der Fleiß und die Innovationsbereitschaft im chinesischen Obstbau und der gesamten Wirtschaft sind beeindruckend", fasst Mazelle zusammen. "Es scheint das System aus Marktwirtschaft gepaart mit rigorosen Vorgaben der Planwirtschaft gut zu funktionieren." Der LK-Obstexperte ist davon überzeugt, dass Chinas ehrgeizige Pläne noch lange nicht erreicht sind.

